Die Qualität Nerolianes

von Jean-Francois Cotte

Unser erstes Vorgehen im Labor beginnt mit dem Duft: Hat die Essenz ein ansprechendes Aussehen, riecht sie wie sie riechen sollte? Sie gibt uns ihre Duftidentität preis. Eine breit gefächerte Probenbibliothek verschafft uns im Zweifelsfall eine Referenz, mit der wir uns den Duft erneut ins Gedächtnis und in die Nase rufen können. Die sogenannte Subjektivität des Duftes macht kaum Sinn, wenn ätherische Öle identifiziert werden sollen. Unsere Vorgehensweise ist mit der eines Klavierstimmers vergleichbar, der die richtige Note sucht. Der Spielraum für Abweichungen ist bekannt und begrenzt: Die Natur spielt, aber sie entartet selten.

Nachdem diese erste Prüfung bestanden wurde, folgt die physikalische und chemische Analyse. Die Essenz wird in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, die in ganz bestimmten Anteilen vorhanden sein müssen, aber auch ihre Relationen zueinander erhalten können müssen, die erst wirklich maßgebend sind. Das Verhältnis der Inhaltsstoffe zueinander bestimmt die Signatur ihrer Identität sehr viel feiner, als die Inhaltsstoffe für sich allein genommen.

Haben wird dann schließlich all diese Informationen zusammengetragen, kehren wir zum Duft zurück, um die Harmonie der Essenz erneut zu bewerten. Das Ganze ist sehr viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Die Analyse der Essenzen ist ein notwendiges Verfahren, aber für sich allein nicht ausreichend. Die Abwesenheit von Krankheit bestätigt uns noch kein gesund sein. Es gibt eine zusätzliche Seelenkomponente, die aus dem Zusammenspiel all dieser Elemente geboren wird und zweifelsohne auch noch aus anderen, die wir nicht sehen können. Diese Seele entscheidet darüber, ob die uns angebotene Essenz zugelassen oder abgelehnt wird.